Demenz und Hörschädigung - Zusammenhänge in Studie nachgewiesen

Demenz und Hörschädigung - Zusammenhänge in Studie nachgewiesen

von Regine Zille

Hörgerät oder vorzeitige Alters-Demenz, das ist hier die Frage

Die G8-Nationen haben beim Demenz-Gipfel in London diese Woche am 11.12.13 ein Zeichen gesetzt: Die Vertreter schworen sich darauf ein, gemeinsam den Kampf gegen Demenz zu forcieren - und mehr Geld in die Forschung zu investieren. Ein möglicher Zusammenhang zwischen Demenz und Hörschädigung schien jedoch in der Politik noch kein Thema zu sein.

Auf mögliche Zusammenhänge hatte bereits das Netzwerk Hörbehinderung Bayern (NHB) anläßlich der Übergabe seines Forderungskatalogs zur Teilhabe hörbehinderter Menschen im Juli diesen Jahres im Sozialministerium hingewiesen. Zusammenhänge und mögliche Folgen einer Hörschädigung auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns sind wenig bekannt. Auch nicht den über 13 Millionen Hörgeschädigten in Deutschland - in Bayern sind das ca. 2,5 Millionen. Bei über 60jährigen Menschen sind nach der Fördergemeinschaft Gutes Hören über 80% durch Einschränkungen des Gehörs betroffen. Das betrifft in Bayern ca. 1 Million Menschen, also fast 8,5% der Bevölkerung!

Gerade in den letzten Jahren haben Forscher des John Hopkins Zentrums für Alterung und Gesundheit in Baltimore Zusammenhänge zwischen der Einschränkung des Hörvermögens und einem Verfall der Gedächtnisleistung veröffentlicht. Sechs Jahre lang wurden eine Studie mit knapp 2.000 Probanden (ca. 77 Jahre alt) durchgeführt. Bei diesen Teilnehmern baute sich die geistige Fähigkeit gegenüber normal Hörenden innerhalb weniger Jahre um bis zu 41% schneller ab! Schon bei leichter Schwerhörigkeit der Probanden haben sich bei einem Viertel der Teilnehmer zusätzliche geistige Beeinträchtigungen entwickelt.

Die Ursachen für den beschleunigten Verfall des Gehirns sehen die Forscher darin, dass durch die geringer werdende Anforderung an das Gehirn durch Reizentzug über das Gehör und die damit verbundene abnehmende soziale Interaktion das Gehirn aus dem „Training“ kommt und darum schneller Leistung abbaut. In Deutschland tragen etwa 20% der deutschen Bevölkerung ein Hörgerät, um ihre Höreinschränkung zu kompensieren. Umso schwerwiegender ist es zu bewerten, so der Sprecher des NHB Volker Albert, dass der Teilhabebericht der Bundesregierung 2013 das schwierige Thema Schwerhörigkeit im Alter und die daraus resultierenden Risiken nicht einmal erwähnt.

Berücksichtigt man die kommunikativen Störungen im menschlichen Miteinander durch Hörschädigungen, wird ein Austausch im Gespräch für Betroffene wie auch für ihre Gegenüber zur Schwerstarbeit. Die „Kommunikationsbrücke Sprache“ wird zunehmend unpassierbar, Missverständnisse sind vorprogrammiert. Verunsicherung und Unmut können sich breit machen und Verhaltensstörungen treten vermehrt auf. Das Spektrum der sich daraus ergebenden Verhaltensmuster erstreckt sich dann von mangelnder Kooperation, Aggression und Verweigerung bis hin zum sozialen Rückzug und der völligen Isolation.

Das Netzwerk Hörbehinderung Bayern (NHB) hat sich zur Aufgabe gestellt, hier in Zusammenarbeit mit der Behinderten- Beauftragen, den zuständigen Ministerien Aufklärung zu betreiben, um weiteren Problemen und steigenden Kosten für die Betreuung vorzeitig dement werdender Mitmenschen vorzubeugen.

Pressekontakt:
Volker Albert
Tel.: 08841-489 55 18

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