Netzwerk Hörbehinderung Bayern (NHB) stellt Forderungskatalog im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen StMAS vor

Netzwerk Hörbehinderung Bayern (NHB) stellt Forderungskatalog im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen StMAS vor

von Regine Zille

Mit gemeinsamer Stimme für die Belange der Menschen mit Hörbehinderung in Bayern

Volker Albert übergibt den Forderungskatalog
Volker Albert übergibt den Forderungskatalog

(München, 11. Juli 2013)

Seit Gründung des Netzwerks am Gleichstellungstag für behinderte Menschen am 04. Mai 2013 haben sich die Aktiven in den Verbänden für Hörbehinderung in Bayern sofort an die Arbeit gemacht, um Gemeinsamkeiten herauszustellen, die, trotz der vielen Unterschiede und Formen der Sinneseinschränkung des Hörens, diese Menschen verbindet - sie aber gleichzeitig von den „Normalhörenden“ trennt. Daraus ist ein Katalog zur Teilhabe entstanden, der die Bedürfnisse aller Menschen mit Hörbehinderung in Bayern erfasst. Die Arbeit des Netzwerks Hörbehinderung Bayern (NHB) ist ein wesentlicher Meilenstein auf dem Weg zur Inklusion aller Menschen mit Hörbehinderung in Bayern, wie es durch die UN-Behindertenrechtskonvention seit 2009 gesetzlich festgeschrieben ist.

Am 11. Juli wurde der Forderungskatalog zur Teilhabe der Menschen mit Hörbehinderung in der Gesellschaft im BStMAS der Behindertenbeauftragten Frau Irmgard Badura, Herrn Ministerialdirigenten Burkhard Rappl, Leiter Abteilung IV „Teilhabe“ und Frau Reitschuster, ebenfalls aus dem Ministerium durch die Vertreter des Netzwerkes vorgestellt und zur weiteren Veröffentlichung übergeben. Frau Badura bedanke sich bei den ehrenamtlich tätigen Menschen für ihr überdurchschnittliches Engagement. Beide Parteien, Das Ministerium wie auch das Netzwerk haben bekräftigt zur Inklusion für Hörbehinderte eng zusammen zu arbeiten. In dieser Hinsicht ist Bayern wieder einmal ein Vorbild für andere Bundesländer.

Teilnehmer im StMAS
Teilnehmer im StMAS

Zur Vorstellung des Kataloges führte der Sprecher des Netzwerks, Volker Albert, aus, dass in Bayern selbst über 2,5 Millionen hörgeschädigte Menschen leben würden. Das seien bei ca. 12,6 Millionen Einwohnern immerhin über 19% der bayerischen Bevölkerung! Diese statistischen Angaben basieren auf der alten Studie „Hörscreening“ von Dr. Wolfgang Sohn, Universität Witten/Herdecke, vom März 2000. Die Fördergemeinschaft „Gutes Hören“ wertete im Rahmen der „Hörtour 2012“ bundesweit über 23.000 Hörtests aus, die diese Ergebnisse nicht nur bestätigten, sondern verdeutlichten, dass die Hör-Situation - insbesondere der älteren Menschen - sich gravierend verschlechtert hat (http://www.fgh-info.de/presse/). So gesehen können die Daten der statistischen Landesämter zum Thema „Schwerhörigkeit" nie aussagefähig sein, da sie nur einen Bruchteil der Betroffenen über die Anzahl der ausgestellten Schwerbehindertenausweise mit dem wesentlichen Merkmal „Hörschädigung“ erfassen, siehe auch www.statistik.bayern.de/presse/archiv/2011.

Von den über 2,5 Millionen Hörbehinderten in Bayern ist die Hälfte mittel bis hochgradig schwerhörig, oft verbunden mit weiteren Einschränkungen wie z.B. Tinnitus oder Morbus Menière (Drehschwindel). Eine Höreinschränkung sei weit mehr als nur eine Leistungsminderung im Bereich des Hörens, machte Volker Albert deutlich. Die möglichen Folgewirkungen in psychosozialer Hinsicht sind in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Dazu nähmen insbesondere die kommunikativen Einschränkungen großen Raum ein. Hier wünscht sich der NHB mit dem Forderungskatalog eine schnelle Änderung, zumal das Inklusionsgesetz seit vielen Jahren Gültigkeit hat. Gleichzeitig bedankte sich der Sprecher für das Engagement der Regierung in Bayern, machte aber bewusst, dass es in öffentlichen Räumen noch viel zu tun gäbe, um das Hören zu erleichtern.

Ziel des Forderungskataloges ist es, nicht nur allen Menschen mit Hörbehinderung in Bayern künftig eine gemeinsame Stimme zu geben, sondern auch, um die Öffentlichkeit auf die Anliegen der großen Gruppe von Betroffenen aufmerksam zu machen. Dafür braucht das Netzwerk Multiplikatoren in Politik und Gesellschaft. Eine Hörbeeinträchtigung wird leider oft von den Betroffenen selbst nicht bemerkt, geschweige denn ernstgenommen. Selbst erkannte Hörschädigungen werden häufig aus Angst vor Ablehnung und Stigmatisierung durch Familie, Umwelt, Arbeitgeber und Kollegen nicht angesprochen.

Insbesondere trifft es unsere älter werdende Bevölkerung nach den Erhebungen von 2012. Die Wahrscheinlichkeit betroffen zu sein, steigt mit dem Alter: 83 % der über 60-Jährigen weisen laut „Hörtour 2012“ in der BRD eine Schwerhörigkeit auf, davon mittel- bis hochgradig 53%. In Bayern leben in dieser Altersgruppe 3,16 Millionen Menschen, von ihnen wären dann entsprechend 2,62 Millionen insgesamt und 1,67 Millionen mittel- bis hochgradig hörbehindert. Deswegen will das Netzwerk mit den angeschlossenen Hörbehinderten-Verbänden schon aus Präventionsgründen über die Multiplikatoren verstärkt Aufklärung leisten. Es braucht aber dafür auch die finanziellen Grundlagen, denn der Einsatz der trotz Hörbehinderung aktiven Menschen kann nicht auf Dauer zusätzlich durch die Eigen-Finanzierung getragen werden.

Volker Albert

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