Unsere Dokumentation zur Fachtagung „Barrierefreier Notruf“ ist endlich da!

Unsere Dokumentation zur Fachtagung „Barrierefreier Notruf“ ist endlich da!

von René Zille

Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass die Dokumentation zur Fachtagung „Barrierefreier Notruf“ am 29.11.2016 nun zur Verfügung steht und allen Interessierten zugänglich ist. Diese Dokumentation bildet die Grundlage für die weitere Arbeit an diesen Themen, um die Notrufsituation für Menschen mit Hörbehinderung signifikant zu verbessern.

Die Ergebnisse der Umfrage haben deutlich gezeigt, dass Gehörlose und hörbehinderte Menschen Notrufe lieber über die Videotelefonie in Gebärdensprache absetzen wollen.

Durch die Änderung des § 45 des Telekommunikationsgesetzes vom 04.07.2017 kann der barrierefreie Notruf ab 01.07.2018 kostenfrei und rund um die Uhr (24 Stunden und 7 Tage pro Woche) in Gebärdensprache und in Schriftsprache über den Telefonvermittlungsdienst „Tess Relay Dienste GmbH“ abgesetzt werden. Damit wurde unsere jahrlange Forderung endlich erfüllt.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) fördert seit Oktober 2017 die Entwicklung des Prototyps einer Notruf-App, welche den Notruf direkt vom Smartphone in die örtlich zu ständige Leitstelle von Polizei und Feuerwehr sendet. Laut BMWi-Pressemitteilung vom 09.02.2018 möchte die Bundesregierung „innerhalb der nächsten Monate“ einen Prototyp für eine Notruf-App, die für alle gängigen Smartphone-Plattformen verfügbar sein wird, testen. Die Kommunikation mit der Leitstelle erfolgt anhand eines textbasierten Chatsystems, mit dem Nutzer von Smartphones in der Regel bestens vertraut sind.

Es ist für uns Menschen mit Hörbehinderungen lebensnotwendig, dass die Notrufmöglichkeiten weiter verbessert werden, um unseren Schutz und unsere Sicherheit zu gewährleisten (UN-BRK Artikel 11).

Literaturquellen:

  • Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie „Zypries: Die Digitalisierung des Notrufs bringt mehr Sicherheit für alle“ (09.02.2018)
  • Pressemitteilung der Tess Relay-Dienste GmbH „Tess ab Juli rund um die Uhr erreichbar“ (17.05.2018)

Pressekontakt

Daniel Büter
Referent für politische Bildung und Öffentlichkeitsarbeit
Prenzlauer Alle 180, 10405 Berlin
E - Mail: d.bueter@gehoerlosen-bund.de
Hörende Anrufer erreichen mich über den Telefonvermittlungsdient mit Dolmetschern für Gebärdensprache und Deutsch
Telefon: 01805-83 77 00
 

Über den Bundesverband

Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. versteht sich als sozial- und gesundheitspolitische, kulturelle und berufliche Interessenvertretung der Gebärdensprachgemeinschaft, also der Gehörlosen und anderer Menschen mit Hörbehinderung, die derzeit 26 Mitgliedsverbände mit ca. 28.000 Mitgliedern, darunter 16 Landesverbände und 10 bundesweite Fachverbände, die sich insgesamt in mehr als 600 Vereinen zusammengeschlossen haben, zählen. Unser Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der Lebenssituation von Gehörlosen, durch den Abbau von kommunikativen Barrieren und die Wahrung von Rechten, um eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.


Kommentar Landesverband Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten e.V.

Auch wenn sowohl Gehörlose und als auch Schwerhörige zu den “hörbehinderten Menschen” gehören, so haben sie doch in bestimmten Bereichen durchaus unterschiedliche Bedarfe. Daher ist die Formulierung

“Die Ergebnisse der Umfrage haben deutlich gezeigt, dass Gehörlose und hörbehinderte Menschen Notrufe lieber über die Videotelefonie in Gebärdensprache absetzen wollen.”

so nicht richtig. Diese Aussage mag nach der Umfrage, an der sich ca. 80 % Gehörlose beteiligt haben, für die Gehörlosen zutreffen. Nach aktuellen Studien liegt der Anteil der Menschen mit Hörbehinderung zwischen 15% und 20% der Bevölkerung, das sind in Deutschland mindestens 12 Millionen Betroffene. Laut Angaben des Gehörlosenbundes gibt es ca. 80 000 Gehörlose in Deutschland. Das sind dann ca. 0,7 % der Hörbehinderten. Selbst viele hochgradig Schwerhörige beherrschen nicht die Gebärdensprache. Die Verallgemeinerung auf alle hörbehinderten Menschen ist daher hier unangebracht, denn ca. 99,3 % der hörbehinderten Menschen können mit Gebärdensprache nichts anfangen!

Der Gesamtvorstand des Landesverbandes Bayern der Schwerhörigen und Ertaubten e.V.

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